Das Autolicht ist inzwischen weitgehend international standardisiert. Nationale Eigenheiten gibt es nur noch wenige. Früher war das anders.

Die Libelle im Scheinwerfer

Experten beklagen in den USA oft, dass Scheinwerfer im Land der oft unbegrenzten Sicht nur selten und auch nicht so genau eingestellt würden. Die Blendung wird jenseits des Großen Teichs nicht so kritisch gesehen, die in den Ländern mit ECE-Vorschriften seit über einem Vierteljahrhundert vorgeschriebene Leuchtweitenregelung ist den Nordamerikanern weitgehend unbekannt. Sie ist nicht vorgeschrieben.

Was aber tut der Amerikaner, wenn er sein Auto stark beladen hat und seine Scheinwerfer blenden? Er benutzt manchmal eine Dosenlibelle! Was das ist? Ein konserviertes Insekt?

Scheinwerfereinstellgerät: Mit Hilfe einer solchen Dosenlibelle lässt sich die Leuchtweite in Nordamerika der Beladung anpassen.

 

Nein, eher eine Verwandte der Wasserwaage. Eine Luftblase in der Dosenlibelle zeigt an, ob das mit ihr vermessene Objekt – in diesem Fall ein Scheinwerfer – in allen Richtungen exakt gerade steht. Wenn das Auto am Heck einsinkt, verschiebt sich die Luftblase, so wie wir das von einer Wasserwaage her kennen. Und dann kann der Amerikaner etwas tun, wovon wir Europäern stets abraten: Er dreht an der Einstellschraube für die Höhe, solange, bis die Blase wieder exakt in der Mitte steht.

Das Verfahren hat etliche Nachteile. So setzt es voraus, dass das Auto selbst auf einer exakt ebenen Fläche steht. Wer hat die schon stets zu Hand? Und dann verstellt sich beim Drehen an der Höheneinstellschraube auch stets die seitliche Ausrichtung. Außerdem können sich große Toleranzen in schlechten Lampen bei dieser Methode der Einstellung besonders negativ auswirken. Kein Problem, übrigens, wenn Lampen von Osram zum Einsatz kommen.

Die Nachteile und wahrscheinlich auch eine kaum wahrnehmbare Nutzung der Funktion hat die Libelle zur aussterbenden Art werden lassen. Ihr Vorteil freilich ist die Robustheit der Anordnung. Sie zeigt kaum Defekte und kann deshalb auch bei keiner Hauptuntersuchung bei Tüv & Co als erheblicher Mangel dastehen. Aber eine vergleichbare regelmäßige Überprüfung existiert in den USA ja auch nicht.

 

Luci – grünes Licht für italienische Scheinwerfer

Als im Cockpit noch echte Aufschriften statt mehr oder weniger verständlicher Symbole üblich waren, freuten sich Fans italienischer Autos über das das Wort „Luci“. Es stand bei einer grünen Kontrollleuchte. Diese war im Land, in dem die Zitronen blühen, einst vorgeschrieben. Sie zeigte an, dass das Abblendlicht eingeschaltet war. Beim Fernlicht kam noch die übliche blaue Kontrolllampe hinzu. Die meisten Autofahrer mochten die grüne Leuchte. Wer tagsüber auf der Autostrada regelmäßig durch Tunnels fuhr, musste nicht nach der Stellung des Lichtschalters schielen. Auch gegen leere Batterien wegen vergessenen Lichts half die Erinnerung. Denn die in anderen Ländern übliche Anzeige für eingeschaltete Scheinwerfer – die Instrumentenbeleuchtung – ist nicht unter allen Beleuchtungssituationen hell genug.

Grünes Licht: In Italien mussten Autos lange Zeit eine Kontrollleuchte für das Abblendlicht haben.

 

Wichtig zu wissen ist, dass es sich bei der italienischen Kontrollleuchte nicht um eine Glühlampenüberwachung handelte. Sie zeigte also nicht an, wenn eine Glühwendel durchgebrannt war.In ganz modernen Autos ist das Wort Luci übrigens wieder da. Viele Kombiinstrumente zeigen Mitteilungen inzwischen als Text an. Wenn es auf Italienisch eingestellt ist, gibt es also die Luci. Allerdings in der Regel ohne die grüne Kontrollleuchte. Denn die ist in Italien nach der Harmonisierung der Regelungen durch die ECE nicht mehr vorgeschrieben.

 

Das Standlicht als französisches Stadtlicht

Gelbes Scheinwerferlicht signalisierte viele Jahrzehnte lang: Hier kommt ein in Frankreich zugelassenes Auto. In der Stadt fielen Franzosen jedoch mit einem anderen Lichtphänomen auf. Lange Zeit war in Ortschaften nämlich Standlicht vorgeschrieben. Logischerweise hieß es deshalb auch Stadtlicht. Die Abblendhebel vieler französischer Autos trugen der gegenüber anderen Ländern unterschiedlichen Nutzung Rechnung und erlaubten auch das schnelle Umschalten zwischen Stand- und Abblendlicht.

Stadtlicht: Frankreich fuhr früher in der Stadt nur mit Standlicht.

 

Die Idee hinter dem Stadtlicht war, dass der innerörtliche Verkehr keine großen Reichweiten der Scheinwerfer braucht. Im schon früher dichten Verkehr der Großstädte war das vielleicht sinnvoll. In anderen Fällen stellte sich Abblendlicht als die bessere Alternative heraus. Das Stand-Stadtlicht verschwand aus Frankreich noch vor den gelben Scheinwerfern.

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