In der Frühzeit des Automobils gab es keine Notwendigkeit, anderen zu zeigen, wohin einen der Weg führt. Man war überwiegend allein auf der Straße, zumindest mit dem Auto. Die Stützen des Verkehrs, Fuhrwerke und Kutschen, signalisierten ein Abbiegen entweder gar nicht (zumeist) oder vermittels lässiger Handzeichen der Kutscher (vielleicht in der Stadt). Wollte ein Pedant unter den Autlern – so hießen die damals wirklich – zu Anfang des 20. Jahrhunderts das Abbiegen anzeigen, streckte er einfach den Arm aus der zumeist offenen Karosserie. Für die abgewandte Seite wurde der Arm über dem Kopf ab-gewinkelt. Diese Methode pflegten übrigens amerikanische Jeep-Fahrer noch im Zweiten Weltkrieg.

Mit der Zunahme des Verkehrs erwiesen sich diese Methoden als lästig und auch nicht besonders effektiv. Schon vor dem Ersten Weltkrieg kamen daher Vorschläge für Signaleinrichtungen. Zuerst war das – natürlich – in Amerika der Fall, wo einfach auf den Straßen schon mehr los war. Pate stand dort wie dann auch in der Alten Welt die Eisenbahn in Form ihrer Flügelsignale. Der große Unterschied war, dass sich das Teil am Auto schneller und in einer Art Takt bewegte.
Der Winker war geboren.

Mit Auf- und Abbewegungen zeigte der Winker bis Anfang der 1960er Jahre das Abbiegen an.

 

Er winkte aber nicht von allein so vor sich hin. Der Herrenfahrer oder Chauffeur hatte die Bewegung über Bowdenzüge am Leben zu erhalten. Sprich: Er hatte zum „Blinken“ im Takt an einem Griff zu ziehen. Wohl deshalb sprechen Juristen auch im Jahr 2016 gern noch von „Fahrtrichtungsanzeiger betätigen“.
Den Autofahrern wurde dieses Winken mit der Zeit lästig. Mitte der 1920er Jahren kamen erste Lösungen auf den Markt, die einen Teil der Arbeit übernahmen. So gab es von Bosch einen selbsttätig arbeiteten Winker. Er war auch besser als die alten Modelle für Nachtfahrten geeignet, denn er war beleuchtet.
Obwohl bald auffiel, dass die zumeist an der B-Säule angebrachten Winker aus manchen Blickwinkeln nicht zu sehen waren, hielt sich die Technik bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Zumindest war das in Europa so. Die USA kannten schon in den 1940er Jahren elektrische Blinker, die auf dem Dach montiert waren.

1958 regelte die ECE in Europa erstmals das Autolicht auf internationaler Ebene. Der Winker kam darin nicht mehr vor. In der Regelung Nummer 6 steht aber seitdem, wie Blinker auszusehen haben. Neue Autos wurden ab etwa 1960 damit ausgeliefert. Ältere mussten in Deutschland bis 1964 umgerüstet werden. Die Winker verschwanden aus den B-Säulen. Noch viele Jahre waren beispielsweise bei älteren VW-Käfern die nunmehr verschlossenen Schächte zu sehen.

Ursprünglich taten in den Blinkleuchten Lampen mit 18 Watt Dienst, aber seit den 1970ern sind 21 Watt – oder ganz modern: LEDs – üblich. Seit Anfang der 1990er Jahre ermöglichen die Vorschriften auch orange gefärbte Glühlampen in weißen Leuchten. Ein paar Jahre danach wurden dann seitliche Zusatzblinkleuchten Pflicht.
Geblieben ist vom Winker noch das Wort. Ein paar alte Menschen verwenden es immer noch, wenn sie die Blinker meinen.

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