Opel und Oberklasse? Nun ja, zumindest pflegen die Rüsselsheimer seit einiger Zeit diesen Anspruch. Ob der aktuelle Astra es generell mit den Modellen süddeutscher Provenienz aufnehmen kann, dürfen Andere und vor allem die Kunden entscheiden. Doch bei unserer Spezialität, dem Autolicht, lautet die Antwort: Ja, die Scheinwerfer sind definitiv Premium. So etwas wie das Matrixlicht des Kompaktwagens Astra findet sich sonst nur in Oberklasse-Limousinen. Und bislang gar nicht in den vergleichbaren Kompakt-Modellen der Premium-Hersteller.

Mit Intellilux LED Matrix-Headlights bezeichnet Opel die Scheinwerfer, mit denen unser Testwagen, ein Kombi, ausgerüstet war. Hinter dem Marketingbegriff steht ein System, das 16 Hochleistungs-LEDs einzeln ansteuern und somit eine Vielzahl von Lichtverteilungen erzeugen kann. Und das tut es in Form von blendfreies Fernlicht. Der Begriff sagt am besten, worum es geht.

Eine Kamera vor dem Innenspiegel erfasst die Verkehrssituation und steuert das Licht entsprechend. Ausgangspunkt ist volles Fernlicht. Ist Gegenverkehr vorhanden, wird das in seine Richtung fallende Licht ausgeblendet. Ähnliches passiert, wenn die Kamera ein vorausfahrendes Fahrzeug erkennt. Das Ganze funktioniert optimal. Der Fahrer kann zwar jederzeit von Hand abblenden. Auf unseren Fahrten war dies jedoch nie notwendig. Die Blendung des Gegenverkehrs ist vor allem in Rechskurven sogar deutlich geringer als bei üblichem Abblendlicht.

Das Ausblenden anderer Verkehrsteilnehmer geht im Astra so weich vonstatten, dass man schon sehr genau hinsehen muss, um den Effekt zu erkennen. Das ist gut so, denn hektisches Öffnen und Schließen der ausgeblendeten Sektoren kann irritieren und ermüden. Die Versuchung wäre groß gewesen, dem Käufer durch ein solches Verhalten ständig vorzuführen, wofür er Aufpreis bezahlt hat. Das Team um Opels Lichtentwickler Ingolf Schneider ist zu beglückwünschen, dass es ihr widerstanden hat. Auch beim Kurvenlicht geht der Astra zurückhaltend zu Werke. Überhaupt arbeitet die Automatik in ihrer Unaufdringlichkeit so gut, dass sich der Fahrer keine weiteren Gedanken über sie machen muss. Am besten verzichtet er auch auf die Lektüre der entsprechenden Abschnitte in der Betriebsanleitung, in der das Ganze komplizierter klingt, als es im Alltag ist. Es gilt bei Dunkelheit nur, die Fernlichtautomatik einzuschalten. Von allein darf sie das leider nicht. Außerorts ist dann das blendfreie Fernlicht aktiv. In beleuchteten Ortschaften stellt der Astra automatisch eine geeignete Lichtverteilung ein.

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Die Achillesferse des Matrixlichts heißt Schachbretteffekt. Gemeint ist, dass die von den einzelnen LEDs ausgeleuchteten Sektoren an einer etwas dunkleren Umrandung erkennbar sind. Oder besser: waren. Denn beim Licht des Astra muss der Lichtkundige wiederum sehr genau hinschauen, um die kleinen Reste des Schachbretts noch zu erkennen. Sicher, das Licht ist nicht so homogen, wie es Fans von Xenon gewohnt sind. So ist die Straßenseite vor einem Entgegenkommenden leicht fleckig. Aber an diese Stellen soll man ja sowieso nicht schauen. Opel projiziert den größten Teil Lichts auf die wichtigen Stellen der Straße. Dort, in 50 bis 75 Meter Entfernung ist die Lichtverteilung so homogen, wie es mit LED heute möglich ist.

Die Scheinwerfer des Intellilux LED Matrix-Lichts lässt Opel beim österreichischen Spezialisten ZKW bauen, einem Unternehmen, das auch intensiv mit Osram zusammenarbeitet. Der Aufpreis liegt mit 1250 Euro in der gleichen Größenordnung wie früher für ein Xenon-System. Leider nimmt Opel nochmals 200 Euro, wenn die LED-Rückleuchten nicht schon im Ausstattungspaket des Modells enthalten sind. Wer an der Fahrzeugfront LED-Licht haben will, muss es auch am Heck nehmen. Aber das werden wohl die meisten Käufer ohnehin wollen.

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