Frage:

In euren Beiträgen ist oft von Unterschieden bei Lumen und Lichtstrom die Rede. Warum wird die Leistung bei den Scheinwerferlampen nicht einfach in Watt angegeben?

Lichtstrom und Leistung – watt ist denn das?

Bei Haushaltslampen war die Welt über viele Jahrzehnte einfach. Bei den wegen ihrer Form auch Birnen genannten Leuchtmitteln zählte in Sachen Helligkeit das Watt. Eines mit 60 Watt bringt mehr als eines mit 40. Bei Autolampen und vor allem solchen für Halogenscheinwerfer hilft der Blick auf die elektrische Leistung aber nicht viel.
Das wollen wir mal an einem Beispiel erklären. Viele Scheinwerferlampen haben eine Leistung von 55 Watt. So die H1, H3, H4 und H7. Liefern die also alle genau gleichviel Licht? Mitnichten. Für das Licht ist nämlich weitgehend der Lichtstrom in Lumen ausschlaggebend. Und hier sind deutliche Unterschiede im wahrsten Sinn des Wortes zu sehen. Die H1 bringt 1550 Lumen, die H3 hundert weniger und die H4 im Abblendlicht sogar nur 1000. Bei der H7 sind es 1500 Lumen. Die mit 60 Watt in ihren elektrischen Daten nur unwesentlich stärkere HB3 liefert 1860 Lumen und die Fernlichtlampe H9 aus 65 Watt gar 2100.

Nebenbei: Alle diese Scheinwerferlampen bringen damit deutlich mehr Lichtstrom als die Haushaltslampe mit 60 Watt, die nur rund 750 Lumen abgibt.

Dabei ist der Lichtstrom nicht das einzige Kriterium für die Leistung einer Autolampe. Die Leuchtdichte, auch Luminanz genannt, hat einen gehörigen Einfluss auf das, was aus einem Scheinwerfer herauskommt. Noch ein Beispiel: Die H1 bringt, wie oben schon erwähnt, 50 Lumen mehr als die H7. Trotzdem ist letztere die leistungsfähigere Lampe – wegen ihrer höheren Luminanz. Und an der arbeiten übrigens auch die Ingenieure, wenn sie beispielsweise bei der Night Breaker Serie mehr Scheinwerferlicht herausholen.

Watt hat also nicht allzu viel Bedeutung.

 

Kommentieren Sie diesen Artikel

*Pflichtfelder
  • Sehr geehrter Herr Lorek, Danke für Ihren Artikel. Gerade im Bereich KFZ liegt häufig das Problem vor, daß die Spannung am Scheinwerfer nicht der Nennspannung entspricht, schuld daran lange zu dünne Kabel, Schalter und Stecker im Verbindungsweg.
    Seit geraumer Zeit suche ich eine Kennlinie der Hersteller, die den Zusammenhang Betribsspannung am Betriebsmittel mit der Abgabe der Helligkeit in gegenüber stellen. Eigene Messungen mit einem Gossen Belichtungsmesser versprechen sehr interessante Informationen.
    Haben Sie solche Unterlagen? Vielen Dank vorab. Viele Grüße Benjamin

    • Hallo Benjamin, allgemeingültig Kennlinien und Kurven gibt es nicht. Jede Lampe reagiert auf abweichende Spannungen etwas anders. Es kann aber die Faustregel gelten, dass zehn Prozent Unterspannung einen Rückgang des Lichtstroms um 25 Prozent zur Folge hat. Zusätzlich verschiebt sich durch die niedrigere Betriebsspannung aber auch das Spektrum des abgegebenen Lichts, und zwar in Richtung langwellig. Es wirkt deshalb subjektiv zusätzlich nicht mehr so hell und ist eher gelblich. Bei manchen Lampentypen wie Longlife-Lampen gerät ein Teil des Lichts sogar in den infraroten Bereich. Bei sehr niedriger Spannung tun das alle. Die Lampen heizen dann schlicht mehr.
      Bei einem für Tageslicht ausgelegten Belichtungsmesser der Fotografie verursacht die Spektralverschiebung womöglich eine große Ungenauigkeit bei vergleichenden Messungen. Die einzig zuverlässige Methode zur vergleichenden Bestimmung des relevanten Lichtstroms ist zudem die Ulbrichtkugel.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Ulbricht-Kugel?wprov=sfti1 Viele Grüße, dein OSRAM Automotive-Team