Das Wort ist für viele ein Ungetüm: Statt Scheinwerferreinigungsanlage sagen sie deshalb SRA. Eingeweihte sprechen gern von der Dusche und manche finden sogar noch das Wort Lichtwischer richtig. Dabei sind Scheinwerferreinigungsanlagen mit kleinen Scheibenwischern zusammen mit Abschlussscheiben aus Glas verschwunden. Scheinwerfer mit Scheiben aus Polycarbonat würden damit nur verkratzen. Die aktuelle Form der SRA – ab jetzt verwenden wir hier die Abkürzung – ist also die Hochdruckreinigung.
Weit verbreitet ist die Ansicht, die SRA sei nur bei Xenon Pflicht. Das ist gleich mehrfach falsch. Die neueste Generation von Xenon, die 25-Watt-Variante, braucht keine. Umgekehrt müssten auch Halogen- und LED-Scheinwerfer eine Dusche haben, wenn ihre Lichtquelle mehr als 2000 Lumen liefert. Dies verlangt nämlich die Zulassungsvorschrift der ECE. Von Xenon ist in der nicht ausdrücklich die Rede. Da aber keine zugelassene Halogenlampe über dem Grenzwert von 2000 Lumen liegt und dies auch für die meisten LED-Systeme gilt, sind in der Praxis halt doch nur Xenonscheinwerfer betroffen. Die haben rund 3000 Lumen.

Hoppla, werden Insider jetzt sagen. Es gibt doch Halogenlampen, die mehr als 2000 Lumen haben. Stimmt, die H9 ist mit 2100 eine davon. Doch sie ist für Fernlicht vorgesehen und die ECE-Regelung bezieht sich nur aufs Abblendlicht.

Wozu aber ist die Reinigung der Scheinwerfer überhaupt nötig? Die meisten meinen, damit kein Schmutz das Licht schwächen kann. Dies stimmt nur zum Teil und wäre gerade bei Xenon mit seiner reichlichen Lichtausbeute gar nicht so dringend erforderlich. Der Hauptgrund für die Vorschrift ist, dass Schmutz die optischen Eigenschaften der Scheinwerfer stört und zur Blendung führt. Die ist übrigens bei geringer Verschmutzung am stärksten und natürlich umso höher, je mehr Licht ein Scheinwerfer liefert.

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Scheinwerferreinigungsanlagen arbeiten mit hohem Druck. Bei dieser Variante fährt die Düse nur bei der Betätigung aus. Die sitzt hinter der trapezförmigen Blende. Bild: Osram

 

Die SRA hat ihre Wurzeln in Skandinavien. Von 1972 bis Anfang der 1990er Jahre war sie beispielsweise in Schweden vorgeschrieben und noch heute werden dort fast alle Autos damit geliefert – auch wenn sie Halogenlicht haben. Wenn in Deutschland ein Auto damit ausgerüstet ist, muss die Anlage auch funktionieren. Das prüft dann der TÜV. Manchmal stellen die Prüfer fest, dass der hohe Wasserverbrauch der „Dusche“ einige Autofahrer so sehr stört, dass sie die SRA deaktivieren lassen. Dies lässt bei einem Xenon-Auto die Betriebserlaubnis erlöschen – mit allen Folgen.

Da sind ein paar Liter Wasser und im Winter Frostschutz doch eine gute Investition. Apropos Zusatzmittel: Die Düsen der Hochdruckwaschanlage spritzen das Wasser mit Drücken bis zu 50 Bar auf die Scheinwerferscheiben. Ein ungeeigneter Frostschutz oder sommerlicher Insektenlöser kann dabei viel Schaden anrichten. Die Abschlussscheiben werden vorzeitig trüb. Neue Scheinwerfer sind teuer – viel teurer als Frostschutz & Co von Markenherstellern.

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