England als (leuchtendes) Vorbild? Dem würden viele Kontinentaleuropäer sicher nicht so pauschal zustimmen. In Sachen Autolicht gilt das jedoch in jedem Fall: Britische Fahrer wissen im Gegensatz zu den meisten Franzosen, Deutschen oder Italienern, was zu tun ist, wenn sie vom heimischen Links- auf unseren Rechtsverkehr wechseln. Sie stellen ihre Scheinwerfer um beziehungsweise kleben sie fachgerecht ab.

Denn Abblendlicht erhellt die Straße immer asymmetrisch: Der Fahrbahnrand wird weiter ausgeleuchtet als die Mitte. Das vermeidet eine Blendung des Gegenverkehrs und verbessert die Sicht auf entfernt stehende Schilder. Auch Fußgänger, Radler oder Wild am Fahrbahnrand erkennen Sie so früher. Bei Rechtsverkehr wird dementsprechend die rechte Seite stärker ausgeleuchtet, bei Linksverkehr die linke.

Technisch funktioniert es so, dass in älteren Autos die Streuscheibe des Scheinwerfers speziell gemustert und der Reflektor passend dazu geformt ist. Moderne Fahrzeuge verfügen dagegen über entsprechend geformte Freiformreflektoren, die mit Klarglas-Scheinwerfern harmonieren. Und bei „Projektionssystemen“ – der dritten Kategorie – übernehmen Linsen und Blenden die Lichtführung. Hier lässt sich der asymmetrische Teil technisch leicht abschalten (Bedienungsanleitung beachten).

Doch zurück zu Reflektor-Scheinwerfern: Modelle für den britischen (und irischen, maltesischen oder zypriotischen) Markt können Sie oft mit einem Handgriff von Links- auf Rechtssymmetrie umstellen. Bei uns auf dem Kontinent dagegen sparen sich die meisten Hersteller aus Kostengründen diese Funktion. Dann muss man die Scheinwerfer abkleben, also den Teil des Glases abdecken, der den Lichtkegel nach rechts verursacht.

Wenn Sie einen etwas älteren Scheinwerfer haben (kein Klarglas), stellen Sie ihn sich als Torte mit Zifferblatt vor: Dann ist es in der Regel das „3-Uhr-Tortenstück“. Die Sparvariante bildet schwarzes Klebeband (unbedingt gute Qualität kaufen, die Hitze und Nässe aushält!). Manchmal lohnt es auch, im Fachhandel oder beim Autoschrauber um die Ecke zu fragen: Vielleicht bekommen Sie dort fertige Abdeckstreifen und Schablonen, die zu Ihrem Modell passen. Mit denen arbeitet es sich präziser als mit Klebeband.

Bei Klarglas gibt es keine so griffige Daumenregel. Hier sollten Sie in Ihrer Werkstatt nachfragen. Oder schauen Sie in die Bedienungsanleitung. Bei Autos, die seit etwa 2005 gebaut worden sind, muss dort erklärt sein, wie das Abkleben funktioniert.

Achtung übrigens mit Scheinwerfer-Reinigungsanlagen: Arbeiten sie zu gründlich, können sich Folien oder Abklebebänder lösen, und der Scheinwerfer blendet wieder. Hier also die Verdunkelung regelmäßig checken!

Ein Sicherheitstipp zum Schluss: Indem Sie Ihr rechtsasymmetrisches Licht abkleben, wird daraus kein linksasymmetrisches, sondern ein symmetrisches Licht mit geringerer Reichweite. Die Sicht auf den Fahrbahnrand wird also schlechter.

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  • Hallo, wirklich guter Artikel. Bin gerade darüber gestolpert, da ich vielleicht eine Autoreise nach UK im nächsten Urlaub plane. Danke schön.
    Nebenbei würde mich eigentlich mal grundsätzlich interessieren, welche unterschiedlichen Beleuchtungsvorschriften es so in der Welt gibt. Ich weiß, dass z.B. in den USA das Autolicht anders ausleuchtet als bei uns in Europa. Asien? und warum gibts überhaupt Unterschiede?

    • Hallo! Danke für das Lob und den Themenvorschlag. Wir nehmen die Idee auf und bringen dazu bald mal eine Geschichte! Schönes Wochenende und bleiben Sie uns gewogen 😉