OSRAM

Social Lighting – Wege zum erleuchteten Miteinander

17.
Dez
2012

Heute will ich mal nichts über die Lichttechnik des Autos oder die Vorschriften dazu schreiben, sondern mich mit dem Umgang mit dem Licht befassen. Ich sehe geradezu die gerunzelte Stirn des Lesers zu meiner Überschrift vor mir. Social Lighting – was soll denn das jetzt wieder sein? Mit sozialen Netzwerken hat es jedenfalls nichts zu tun.

Der Umgang mit dem Autolicht hat auch eine starke soziale Komponente

Der Umgang mit dem Autolicht hat auch eine starke soziale Komponente

Oder doch? Vielleicht, wenn man den Straßenverkehr als soziales Netz betrachtet. Und jeder, der sich darin bewegt, muss mehr oder weniger sozial handeln. Einfachstes Beispiel – und hier sind wir beim Licht – ist das Abblenden. Das macht jeder. Anders sieht es schon beim Blinken aus. Es zeugt von Mängeln im sozialen Miteinander, dass häufig beim Spurwechsel oder Abbiegen darauf verzichtet wird. Auch hinter dem Begriff „Gesehen werden“ aus der Fahrschule und der Umsetzung via Licht steckt eine starke soziale Komponente.

Es gibt also vieles, mit dem man hinter dem Steuer und mit den Lichtfunktionen anderen Verkehrsteilnehmern das Leben leichter machen kann. Oder erschweren: Falsches oder fehlendes Licht gehört in letztere Kategorie, beispielsweise der blendende Einsatz von Nebelbeleuchtung oder das Fahren mit Tagfahrlicht bei Dunkelheit. Wer wissentlich einäugig oder ganz ohne Licht herumfährt, zeigt ebenfalls Defizite, und zwar nicht nur technische. Geradezu asozial sind für mich jene illegalen Umrüstsätze, die Xenonlampen in Halogenscheinwerfer bringen – und massiv blenden.

Doch möchte ich Social Lighting nicht nur bei den Autofahrern sehen. Mancher Autohersteller könnte der Versuchung erliegen, seinen Kunden ein besonders ausgefeiltes Lichtdesign zu bieten, das andere dann nervt. Kurze Blinkerimpulse mögen für das Überholimage gut sein, für einen sozialen Umgang eher nicht. Leider lassen das die mitunter jahrzehntealten Vorschriften ebenso zu wie Blinker, die zwar chic in Scheinwerfer integriert sind, aber von der Seite kaum zu sehen sind. Über so manchen Licht-Gimmick dürfen die Designer gern noch mal nachdenken. Dazu gehören beispielsweise auch kleine Linsen in Projektions-Scheinwerfern, die durchaus Platz für größere Exemplare oder ein ganz linsenloses Reflektionssystem ließen. Die (leider von den Vorschriften nicht geregelte) hohe Leuchtdichte mancher Linsen macht tendenziell eher blendempfindlichen Menschen Probleme. Selbst wem dies egal ist: Größere Lichtaustrittsflächen bringen zumeist auch das bessere Licht.

2 Antworten auf Social Lighting – Wege zum erleuchteten Miteinander

  1. Eine Thematik, mit der ich mich auch auseinandersetze.
    Ich frage mich oft, was da in den Konstruktions- und Designbüros abgeht, wenn ich gewisse (zugelassene!) Leuchtkörper an Fahrzeugen sehe.
    Egal ob das Kennzeichenbeleuchtungen sind, die die Straße, die Stoßstange, den Hintermann oder immerhin 2 der 6 Zeichen auf dem Schild beleuchten, oder ob die Konstrukteure überhaupt schonmal was von Kennzeichenhaltern gehört haben…
    Warum haben die modernen Audis Bremslichter, die den Nachfolger erblinden lassen, und dazwischen müde Funzelblinker und Rückfahrleuchten im Briefmarkenformat.
    Das gleiche Spiel vorn, die Tagfahrleuchten sind so grell, daß man die trüben Glühlampenblinker dahinter nicht nur kaum noch sieht, sondern die Signalwirkung des Ab- und wieder Aufdimmens des Tagfahrlichts sogar mehr auffällt als das Blinken selbst.
    Und nicht zuletzt, warum haben heute fast alle BiXenon-Autos die Lichthupe über das Xenonleuchtmittel realisiert. Es ist ja nicht nur so, daß dieses ein kurzes Aufleuchten nicht sonderlich mag, sondern auch in den ersten Sekunden (also eben der Lichthupendauer) noch kaum nennenswert leuchtet!
    Ich fände ich es sinnvoll, wenn man beim automatisch aktivierten Tagfahrlicht eine Zwischenstation technisch realisieren, und gesetzlich erlauben würde: An bewölkten Tagen oder dem Einsetzen der Dämmerung (wo vom Abblendlichtkegel noch kein bißchen auf der Staße zu sehen ist), vorn Tagfahrlicht und hinten Rückleuchten aktivieren. Für sehr kurze Tunnel und Brücken wäre das auch bei voller Tageshelligkeit sinnvoller als das kurzzeitige Starten der Xenonlampen.

    • von fritzlorek am 20. Februar 2013

      Das sind sehr interessante Bemerkungen!
      Auch ich würde mir wünschen, wenn die Abwägung zwischen Design und gutem Licht seltener zu Lasten von Sehen und gesehen werden ginge. Ein krasses Beispiel sind etliche Blinker, die von der Seite kaum noch zu sehen sind. Das hat inzwischen auch die ECE – sie macht die Regeln – auf den Plan gerufen. Die entsprechende Arbeitsgruppewill die Vorschriften verschärfen. Das Problem der hohen Leuchtdichte von kleinen Lichtquellen – wie manchen der angesprochenen Tagfahrleuchten – wartet schon Jahrzehnte auf eine Lösung. Die ist leider nicht in Sicht. Hier ist das Verantwortungsbewusstsein der Ingenieure gefragt. Leider verhalten sich aber nicht nur manche Designer unvernünftig, sondern auch die Verbraucher. Am eigenen Auto finden sie Dinge chic, die sie beim Gegenverkehr stören.
      Die Nutzung der Xenonscheinwerfer für die Lichthupe ist glücklicherweise ein seltenes Phänomen. Eigentlich geht das nur bei jenen Autos, die das Tagfahrlicht aus den Hauptscheinwerfern umsetzen. Das Hochfahren der Xenon-Brenner dauert mehrere Sekunden und das ist für die Lichthupe aus ausgeschalteten Scheinwerfern zu lang. Außerdem geht es massiv zu Lasten der Lebensdauer. Deshalb haben die meisten Autos immer noch zusätzliche Lichthupen-Scheinwerfer in Halogentechnik. Wenn Autohersteller darauf verzichten, geschieht das – außer aus Sparsamkeit – noch aus zwei Gründen: Entweder ist wegen des Designs zu wenig Platz im Scheinwerfer, oder das Auto wird überwiegend in Ländern verkauft, in denen die Lichthupe keine solche Rolle spielt wie in Deutschland.
      Das Einschalten des Rücklichts zusammen mit dem Tagfahrlicht ist durchaus erlaubt. Leider macht die Autoindustrie hierzulande davon kaum Gebrauch. Für andere Länder, beispielsweise skandinavische, programmieren einige Hersteller die Elektronik so, dass auch tagsüber das Schlusslicht signalisiert: Dieses Auto fährt. Das ist sehr sinnvoll – nicht nur im Tunnel.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

 
© 2014, by OSRAM GmbH. All rights reserved.